Stadtwald Lichtenau nach Kyrill:EGV mit Förster Beumling auf der Egge

Folienverpackung hält Sturmholz fit

Naturverjüngung und mehr Laubholz soll vor Schäden schützen

Kleinenberg (hg) Dass Folien im Allgemeinen segensreiche Dienste bei Frischhalteverpackungen leisten können, ist nichts Ungewöhnliches. Dass aber gleich ein ganzer Rundholzpolter von 20 Metern Länge und mit etwa 750 Stämmen eingepackt wird, das ist schon etwas Neues. Stadtförster Bernhard Beumling stellten diese Art der „Frischhalteverpackung“, wie sie nun neu im Stadtwald Kleinenberg versucht wird, interessierten Eggeleuten aus Kleinenberg vor. „Ein bisschen kommen wir uns schon vor wie Christo, wenn auch unsere Verpackung ein durchaus ökonomisches Ziel hat“, meinte Beumling mit Humor. Dieses ökonomische Interesse ist der später mögliche Verkauf bei besseren Preis- und Verkaufssituationen.

Bei einer waldkundlichen Wanderung stellte Stadtförster Bernhard Beumling den interessierten Mitgliedern des Eggegebirgsvereins die Situation des städtischen Waldes auf der Egge, nach den Einwirkungen durch den Sturm „Kyrill“ direkt am Ort des Geschehens im Stadtwald Kleinenberg vor.

Das zu konservierende Holz wird luftdicht in spezielle Folie verpackt. Die noch lebenden Holzzellen verbrauchen den im Paket eingeschlossenen Sauerstoff. Dadurch stellt sich eine sauerstoffarme Atmosphäre ein, in der weder holzschädigende Pilze noch Insekten überleben können. Zur Sicherung des Konservierungserfolgs muss der Sauerstoffgehalt innerhalb der verpackten Polter regelmäßig kontrolliert werden. Die Folie wird nach dem Gebrauch stofflich oder thermisch verwertet. Bereits nach "Wiebke und Vivian" 1991 wurden Versuche unternommen, mit Hilfe von Folienlagerung wertvolles Stammholz qualitätserhaltend zu lagern. Ermuntert durch die guten Erfahrungen wurden nach "Lothar" im Jahr 2000 über 40.000 fm Fichten-/ Tannen-/ Douglasien-/ Kiefern- und Buchenholz vor allem im Schwarzwald eingelagert. Wie die Erfahrungen zeigten, konnten die mit diesem Verfahren konservierten Hölzer ihrem festgelegten Verwendungszweck zugeführt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Guter Schutz gegen Insekten- und/oder Pilzbefall, lange Lagerungsdauer möglich, unabhängig von Wetter, Klima und Vorhandensein von Wasser. Das Verfahren kann vor allem dort zum Einsatz kommen, wo eine Nasslagerung aus verschiedenen Gründen, vor allem wegen der hohen Kosten, nicht in Frage kommt.

Es gibt aber auch abzuwägende Nachteile: Aufwändiges Verfahren, hoher Kontrollaufwand. Schäden an der Folie durch Mäusefraß, Vandalismus und Wind können kostenträchtige Reparaturen nach sich ziehen. Deshalb eignet sich die Konservierungsmethode insbesondere für wertvolles Stammholz, wie sie nun in Kleinenberg angewendet wird.

Interessenten und Waldbegeher, Spaziergänger und Wanderer bittet Bernhard Beumling eindringlich, die Polter nicht zu betreten oder die Folie zu verletzen. Davon hänge letztendlich der Erfolg dieser besonderen Holzlagerung ab.

Insgesamt hat „Kyrill“ etwa 25.000 Festmeter Holz im Stadtwald Lichtenau geworfen, - eine dreifache Jahresmenge des sonst üblichen Holzeinschlages. „Das hat unsere Forsteinrichtung, das ist die Planung der Forstwirtschaft über ein Jahrzehnt, natürlich vollkommen durcheinander gebracht“, so Beumling. Die Stadt Lichtenau werde deshalb umgehend eine neue Forsteinrichtung einleiten, in der vor allem die ökologischen Belange einen höheren Stellenwert bekommen sollen. Beumling: „Ganz können wir die wirtschaftliche Seite der forstlichen Bewirtschaftung des Stadtwaldes allerdings nicht außer Acht lassen. Wir wollen auch nach dem Verkauf des Sturmholzes für den Haushalt der Stadt Einnahmen beisteuern.“

 

 

Die Wandergruppe des EGV Kleinenberg mit Stadtförster Bernhard Beumling (vierter von rechts) an der Ortmann-Linde im Kleinenberger Stadtwald

 

 

 

 

 

 

 

Schadensbild „Kyrill“

 

 

 

 

 

 

 

„Holz in der Tüte“ im Kleinenberger Stadtwald