Wo das Auge Gottes über Vater Rhein wacht

Wo das Auge Gottes über Vater Rhein wacht

Fernwandergruppe der Kleinenberger Eggeleute auf dem Rheinsteig

Kleinenberg (hg) Wer nach dem schönsten Wanderweg Deutschlands fragt, dem wird wohl am häufigsten der Rheinsteig genannt. Auf den knapp über 300 Kilometern, von Bonn nach Wiesbaden, bietet dieser Premiumweg immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den Vater Rhein in seinem Bett, dem einzigartigen Rheintal, und auf die überwältigenden Landschaften ringsum, bis zur Eifel. Dabei macht es dieser Weg, der nicht ohne Grund „Steig“ genannt wird, den Wanderern, den Rheinsteigern wie sie sich nennen, nicht leicht. Immer wieder führt er auf und nieder, die Höhendiagramme lesen sich wie dramatische Fieberkurven.

Die Fernwandergruppe auf der Treppe des historischen Rathauses in Bonn.EGV (Krismann) Den Rheinsteig zu erkunden und auf hohem Niveau, in der vielfältigen Interpretation dieses Begriffes zu wandern, das hatte sich die Fernwandergruppe des Eggegebirgsvereins Kleinenberg vorgenommen, als sie am Brückentag-Wochenende die sieben Blicke auf die sieben Berge des märchenhaften Siebengebirges, über den ostwestfälischen Tellerrand hinaus, wagte. Der Sage nach haben ja die sieben Riesen, als sie vor Zeiten dem Rhein einen Durchbruch verschafften, ihre Spaten nach getaner Arbeit von Dreckklumpen gesäubert. Sie lösten sich und bilden nun die sieben Hügel: Oelberg, Löwenburg, Lohrberg, Nonnenstromberg, Petersberg Wolkenburg und Drachenfels. Heute ist das Siebengebirge das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands, wo Siegfried die Jungfrau vor dem Drachen errettete und den Zwergen den Schatz abluchste.

Die Kleinenberger Eggeleute erwanderten unter Leitung und nach der Idee von Wanderwart Helmut Reichstein die Strecke von Linz am Rhein nach Bonn. Die höchst anspruchsvollen Anstiege forderten die ganze körperliche Fitness der Wanderfreundinnen und Wanderfreunde, die beim Verweilen auf den schönsten Rheinan- und aussichten vergessen waren. Sie entschädigten die schnaufenden Rheinsteiger für etliche Schweißtropfen, die zunächst zu ertragen waren: Das Kloster Heisterbach weckte Vergleich mit dem heimischen Dalheim. Auf der Terrasse des Bundesgästehauses auf dem Petersberg konnten sie sich fühlen wie Staatsgäste und Könige aus aller Welt. Und wo das „Auge Gottes“ bei Rheinbreitbach wacht, waren Drachenburg und Drachenfels nicht mehr weit. Die alten Brückentürme der Remagener Brücke an der Erpeler Ley erinnern an schreckliche Szenen des Krieges, während die Besuche in den Innenstädten von Unkel (dort wohnte Willi Brandt) und in Rhöndorf (Adenauers Wohnsitz) die Eggeleute in die Zeitgeschichte zurück brachten.

Wegeinformationen durch Wanderwart Helmut Reichstein auf schattigem Plätzchen.EGV (Krismann)EGV-Vorsitzender Bernhard Hagelüken bedankte sich bei den Wanderern, die nach den Fernstrecken auf dem Europäischen Fernwanderweg nun wieder eine Strecke unter die Wanderschuhe genommen hatten, die mit ihren steilen Höhen anspruchsvoll, aber durch die vorbildliche Zeichnung „unverlaufbar“ war. Die angenehme Rückfahrt auf der „Poseidon“, von Bonn zum Quartier in Linz, rief noch einmal die Wandererqualen in Erinnerung, die durch die „weichen Standortvorteile“ des gastlichen Schiffes im milden Licht der Abendsonne wie ferne Erinnerungen leuchteten. Dieser Eindruck mag Wanderwart Helmut Reichstein bewogen haben, eine weitere Teilstrecke des Rheinsteigs für 2012 in Aussicht zu nehmen.

Bild: Die Fernwandergruppe der Kleinenberger Eggeleute auf der imposanten Treppe des historischen Bonner Rathauses, dem nördlichen Anfangspunkt des Rheinsteigs: von links: Ewald Reichstein, Alfred Dickgreber, Josef Reichstein, Dietmar Blaschke, Helmut Benteler, Roswitha und Bernhard Hagelüken, Felicitas und Helmut Reichstein, Christa Held, Anna und Georg Spittel, Helga Krismann, Elisabeth Held, Petra Schuhmacher und Richard Brüß. Nicht im Bild: Klaus Krismann, Willi und Walburga Hagelüken.